transdemo e. V. – Verein für Politik, Kunst und Technologie

trans (von lat.: transcendere [1] hinüberschreiten, -steigen, -gehen)

demo (von lat.: demonstrare [1] genau zeigen [2] bezeichnen

Wir wollen kulturelle, politische und technologische Grenzen überschreiten, das Hier und Jetzt explizit machen und auf ein mögliches Danach deuten.

transdemo e. V. ist der Versuch, gemeinsam an der Gesellschaft aus verschiedenen Disziplinen heraus zu arbeiten. Der Verein ist ein Konvergenzraum, in dem Politik, Kunst und Technologie in einem kritischen Diskurs miteinander verhandelt werden. Aus diesen Verhandlungen wollen wir die Gegenwart und Zukunft der Gesellschaft ableiten, die wir in On- und Offline-Formaten inszenieren: Ausstellungen, Publikationen, Filme, Prototypen, Installationen, Vorträge, Konzerte oder Workshops.

Uns gehören Designer, Künstler, Filmschaffende, Journalisten, Wissenschaftler, Entwickler und Ruheständler an. Wer Interesse an einem kultur-, alters- und berufsübergreifenden Austausch hat, wem freies Denken keine Angst und utopisches Sinnieren Spaß macht, der ist herzlich eingeladen, mit uns zu experimentieren.

Unlösbare Probleme in der Denkerei

Auf der Website der Denkerei (Berlin) können derzeit “unlösbare Probleme” online eingereicht (crowdgesourct) und diskutiert werden. Das Amt für Arbeit an unlösbaren Problemen und Maßnahmen der hohen Hand ist ein experimenteller Gedankenspielplatz und Veranstaltungsort von Bazon Brock in Kooperation mit der Leuphana Universität Lüneburg und einigen weiteren gegenwärtigen Denkern.

mundraub.org: Kartografiertes Obst im öffentlichen Raum

mundraub.org ist crowd mapping von frei verfügbarem Obst. Auf der Map können kollektiv Fundstellen wildwachsender Kirschen, Äpfel, Beeren oder Nüsse eingetragen werden, an denen man sich gütlich tun kann. Ziel des Projekts, das mittlerweile in der Beta-Version generalüberholt wurde, ist laut den Machern das Bewusstsein für in Vergessenheit geratene Früchte der Kulturlandschaft im öffentlichen Raum zu schärfen.

Mundräuber sein ist eine kreative und freundliche Beschäftigung, die noch jeder aus seiner Kindheit kennen dürfte. Und wenn nicht, hat man mit der Plattform die Gelegenheit das nachzuholen. Für die Theoretiker gibt es mittlerweile auch eine Publikation: Das Mundräuber Handbuch.

Das gesamte Projekt ist meines Erachtens ein gelungenes Beispiel für kollektive, sich fortschreibende Produktionsprozesse, mittels derer sich der öffentliche Raum gestalten lässt. Im Kern also das, was man unter sozialen Medien tatsächlich verstehen könnte: Die gemeinsame Organisation und Umsetzung sozialer Handlungen mittels digitaler Kommunikation.

Kommunale Politik im Kontext von digitalen Meinungsimpulswellen

Entscheidungen des letzten Jahrhunderts, die bis heute unsere Mediennutzung reguliert haben, befinden sich mittlerweile an einem Scheideweg. Zurückzuführen ist dies auf den technologischen Fortschritt und einen der wirksamsten Verstärker und Katalysatoren, den die Menschheit jemals erlebt hat – das Internet. In der Vergangenheit bestimmten staatliche Zwänge und Gesetze den Zuschnitt der Medienlandschaft und definierten den Informationspool der Bürger.

Heute bildet das Internet mit seinen interaktiven Potenzialen der sozialen Netzwerke, im Verbund mit E-Mails, Chats, Videokonferenzen, Blogs oder Foren, einen neuen Raum. Der Bürger bezieht hier Informationen aus individuellen und kollektiven Meinungsdarstellungen, die er dort ableitet, neu in­terpretiert und blitzschnell weiterverbreiten kann.

Diese Mechanismen revolutionieren nicht nur die tradierte Deutungshoheit des Rundfunkzeitalters und dessen kontrollierte Informationsverteilung, sondern auch die gesteuerten Rezeptionsmuster und deren vorgegebenen Interpretationsrahmen. Die grundlegend neuen technologischen Potenziale, mit denen Gedanken zu Texten werden, Texte zu Programmen transformieren und Programme durch die andauernde Nutzung zu anderen Denkstrukturen führen, werfen für viele Menschen noch mehr Fragen auf.

Mit seiner technischen Einzigartigkeit, Medium und Infrastruktur in einem zu sein, verbindet das Internet Menschen weltweit. Massenkommunikationsprozesse demokratisieren sich, da die Kosten für Produktions- und Publikationsmittel dramatisch gesunken sind. So hat das Internet grundlegen­de gesellschaftliche und politische Veränderungsprozesse angestoßen. Gesprä­che, Ideen und Beziehungen über Staatsgrenzen und Kulturräume öffent­lich auszutauschen, ist nun millionenfach möglich, während es zuvor nur eini­gen wenigen vorbehalten war. Das verändert das Handeln, global wie lo­kal, und damit auch die Vorstellung der Welt!

Schnell werden die heutigen Protagonisten dieser neuen Kommunikationsformen entweder belächelt und verniedlicht oder zum Hype stilisiert. Doch jenseits dieser vorschnellen Wertungen kann täglich beobachtet werden, wie sich BürgerInnen im Internet zu Kollektiven zusammenschließen und Demokratisierungsprozesse in fast allen gesellschaftlichen Bereichen anstoßen. Bestehende Machstrukturen werden offen diskutiert, kritisiert und grundsätzlich in Frage gestellt. Die Forderung nach Transparenz, Partizipation und Reformierung festgesetzter Ordnungsmuster wird zunehmend lauter.

Der Text ist ein Auszug aus dem Buch Wellenreiter, Kommunale Politik im Kontext von digitalen Meinungsimpulswellen, an dem ich als Koautor mitgearbeitet habe. Thema sind die Auswirkungen digitaler Kommunikation in sozialen Netzwerken auf die Lokalpolitik und die neuen Herausforderungen sowie Möglichkeiten, mit denen sich Politiker und Verwaltungen auf lokaler Ebene zunehmend beschäftigen müssen.

Das Buch ist als Hardcover im vwh-Verlag, als kostenloses PDF oder als Website zugänglich.