Werbespot von The Guardian: Die Schweine sind die Schweine – oder?

The Guardian hat das Märchen von den drei kleinen Schweinchen in die heutige Zeit und aus der Fantasiewelt in die reale transportiert. Hierbei wird so ziemlich alles referenziert, was wir im Zuge der weltweiten Proteste des letzten Jahres kennen gelernt haben. In diesem Video sind die Schweinchen allerdings die Schuldigen, die den Wolf bei lebendigem Leibe gekocht haben. Kurz nach der Verhaftung und der ersten medialen Durchdringung ist man sich der Schuld der Schweinchen zunächst nicht sicher. Dem Wolf werden Gedenkstätten eingerichtet, andere solidarisieren sich mit den Schweinchen. Es kommen neue Fakten auf, der Wolf soll Asthma gehabt haben. Hektisch werden Online-Simulationen erstellt und Experten zu Rate gezogen. Die Schweinchen werden verurteilt, das Motiv für die Ermordung des Wolfes war finanzieller Natur, sie konnten ihre Miete nicht mehr bezahlen. Neue Schuldige sind schnell gefunden: Die Banken. Die Deutungshoheit verschiebt sich und plötzlich wird aus der Debatte um einen Mord eine internationale Debatte um finanzielle Ungerechtigkeit. Die Menschen üben sich in Identifikation, jetzt sind alle die Schweinchen. Und am Ende stehen wütende Demonstranten mit Schweinsmasken knüppelschwingenden Ordnungshütern gegenüber, die als Mensch so ganz hinter ihrer Uniformierung zurücktreten. Wie konnte es dazu nur kommen? Wer will was und wer hat bloß recht? Den ganzen Überblick erhält man bei den großen Geschichtenerzählern und Katalysatoren: Den Medien.

Was mir neben der Verarbeitung sämtlicher gängiger Kulturtechniken zeitgenössischer Meinungsäußerung besonders gefällt, ist die Tatsache, dass es sich eben um ein Märchen handelt, welches der Auslöser für Interpretation, Rage und schließlich für die Straßenproteste ist.  Und das The Guardian, ob gewollt oder nicht, ironisch auf die eigene Rolle in diesem Mechanismus blickt und sich selbst eine Schlüsselfunktion in all dem Chaos zuweist. Abgesehen davon ist es auch noch ein verdammt gelungener Spot, der alle Kriterien erfüllt, um rasant viral zu werden.

Werbung für Google Street View: Google claims the streets

Außenwerbung für Google Street View, schon etwas älter (2009). mehr Infos

Gleiches Prinzip wie bei der Kampagne ES GESCHIEHT NICHT HIER. ABER JETZT. der Schweizer Sektion von Amnesty International (2006), bei der einfach ein zum Teil transparenter Layer auf eine durchsichtige Fläche aufgetragen wird und die Kombination aus Plakatvordergrund und Straßenhintergrund  eine neue Sinnebene entstehen lässt.

Die Zukunft der erweiterten Realität

Augmented Reality, die computergestützte Erweiterung der Realität um eine oder mehrere zusätzliche Informationsebenen, halte ich für eine der spannendsten momentanen Entwicklungen. Ich will die Möglichkeit besitzen, jemandem mein Smartphone vor das Gesicht zu halten und auf dem Display alle seine Social Media Accounts zu sehen. Vor einem Restaurant zu stehen und ohne Umstände die Speisekarte angezeigt zu bekommen – vielleicht sogar mit Datenabgleich meiner Vorlieben. Ich würde gerne durch den Wald gehen und mir anzeigen lassen, welcher Käfer gerade vor mir über den Boden krabbelt,  um welche Baumart es sich handelt, wie die Pflanze mit der eigenartigen Blattform noch gleich heißt. Noch lieber würde ich an einem Unternehmen vorbeischlendern und mir anzeigen lassen, wie viele Mitarbeiter dieses beschäftigt, wie es um die allgemeine Zufriedenheit der Kunden mit den dort verantworteten Produkten und Dienstleistungen bestellt ist, mit wem das Unternehmen wirtschaftlich und politisch zusammenhängt, in welche Skandale dieses verstrickt war usw. Die Einsatzmöglichkeiten sind nahezu grenzenlos und vor allem äußerst praktisch.

Neue Produkte werden den Markt überschwemmen, auch Künstlern und Werbern bieten sich neue, digitale Betätigungsfelder. Gerade zwischen diesen beiden Gruppen könnte ein recht lebendiger Kampf um die Vorherrschaft der Bilder und Informationswelten entstehen, besonders, wenn sie einander revidieren.

Werbespot für japanisches Mobiltelefon Touch Wood SH-08C

Es gibt sie, die richtig guten Werbespots ganz ohne CGI. Für das japanische Mobiltelefon Touch Wood SH-08C hat Regisseur Morihiro Harano ein überdimensionales Holz-Xylophon quer durch einen Wald bauen lassen. Eine darüber hinweg rollende Holzkugel erzeugt eine wunderbare, langsam tröpfelnde Melodie, die sich nahtlos in die Geräuschkulisse des Waldes einfügt und sinnbildlich wie tonal dem ökologischen Anspruch des Produkts Rechnung trägt.

Gefunden auf Lilly Green.