WIR SIND HIER – Gestaltet die Eröffnungsveranstaltung der Ars Electronica 2013

WIR SIND HIER ist ein multimediales Experiment, dass das diesjährige Ars Electronica Festival in Linz (Österreich) am 05. September eröffnet. Und das ganze Neuland kann dabei mitmachen. Gestaltet das Eröffnungsspektakel in Linz:

Mach mit beim digitalen protestchor.

Mach mit beim digitalen Protestchor


Als Teil des digitalen Protestchors
- Per Webcam kann man ein kurzes Video von sich aufnehmen. Fünf Zeilen aus Bertold Brechts Gedicht Gegen Verführung (1925) sollen vorgelesen werden. Brechts Werke wurden im Zuge der nationalsozialistischen Bücherverbrennung in Deutschland 1933 zerstört. Heute richtet sich die Mahnung des Schriftstellers nicht nur gegen den immer bedrohlicher werden Rechtsextremismus, sondern, im digitalen Zeitalter auch gegen die Verführung durch Technologie und Unternehmen, die mit ihrer Datensammelwut den neuen staatlichen Überwachungsapparaten willfährig in die Hände spielen.

Komponier mit FM Einheit

Komponier mit FM Einheit


Als Komponist mit FM Einheit
:
 Bei dieser Aktion könnt ihr euch mit kultureller Zerstörung und Zensur „hörend“ auseinanderzusetzen. Einfach Per Soundcloud die Klänge mit uns teilen, die unsere Kultur zerstören. FM Einheit macht daraus die Komposition für die Eröffnungsveranstaltung auf der Ars Electronica. Kleiner Tipp: Ihr müsst nicht selbst produzieren – YouTube ist voller Sounds!

Bestimmt die Form der Skulptur

Bestimme die Form der Skulptur


Als Bildender Künstler
Collective Sculpture ist der Versuch, eine Crowdsourcing-Skulptur auf dem Ars Electronica Festival zu bauen. Der ganze Prozess ist frei. Ihr bestimmt die Form, die Materialien und was nach dem Festival mit der Skulptur geschehen soll.

Mach einen Remix

Mach einen Remix mit Vine


Als Remixer der Geschichte
:
Im Rahmen von Occupy History nutzen wir das Twitter Tool Vine. Ihr könnt einen sechs Sekunden dauernden Loop produzieren, der zeigt, wie die Geschichte (und damit auch Erinnerung) sich im Kontext der Popkultur wandelt. Beispiel: Von Adolf Hitler zu Hipster Hitler.

Oder ihr schreibt uns eure Meinung zu den spannenden Essays von Autoren wie David Dorrell und Jules Marshall. Es geht um Freiheit, die Welt als Matrix und die kommende Apokalypse.

WIR SIND HIER - Live Performance

Das Projekt wurde erarbeitet von:

Salvatore Vanasco (Künstler und Produzent)
Claudius Brodmann (Bildmedien)
FM Einheit (Musik)
Stephanie Geiger (Kostüme)
Timo Maier (Online)
Rica Blunck (Choreografie)
Andy Müller-Maguhn (Kreative Politik)
Steffen Neubauer (Software)
AEC FutureLab (Drohnen)

und viele mehr…

Wir sehen uns auf der Ars Electronica!

WIR SIND HIER.

Kulturtechnik und Protest: Poster zu #OccupyGezi

Digitale Poster sind Kampagnenwerkzeug und fester Bestandteil der heutigen Protestkultur. Sie dienen der Multiplikation von Botschaften vor allem  im Internet und schaffen Aufmerksamkeit für das jeweilige Ereignis.  Oft wird hier popkulturelle Ästhetik mit Netzkultur vermischt, um den Rezeptionsmustern jüngerer Zielgruppen zu entsprechen. Momentan veröffentlichen Kreative weltweit Arbeiten zu den Protesten  in der Türkei aka #occupygezi.

 

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Werbespot von The Guardian: Die Schweine sind die Schweine – oder?

The Guardian hat das Märchen von den drei kleinen Schweinchen in die heutige Zeit und aus der Fantasiewelt in die reale transportiert. Hierbei wird so ziemlich alles referenziert, was wir im Zuge der weltweiten Proteste des letzten Jahres kennen gelernt haben. In diesem Video sind die Schweinchen allerdings die Schuldigen, die den Wolf bei lebendigem Leibe gekocht haben. Kurz nach der Verhaftung und der ersten medialen Durchdringung ist man sich der Schuld der Schweinchen zunächst nicht sicher. Dem Wolf werden Gedenkstätten eingerichtet, andere solidarisieren sich mit den Schweinchen. Es kommen neue Fakten auf, der Wolf soll Asthma gehabt haben. Hektisch werden Online-Simulationen erstellt und Experten zu Rate gezogen. Die Schweinchen werden verurteilt, das Motiv für die Ermordung des Wolfes war finanzieller Natur, sie konnten ihre Miete nicht mehr bezahlen. Neue Schuldige sind schnell gefunden: Die Banken. Die Deutungshoheit verschiebt sich und plötzlich wird aus der Debatte um einen Mord eine internationale Debatte um finanzielle Ungerechtigkeit. Die Menschen üben sich in Identifikation, jetzt sind alle die Schweinchen. Und am Ende stehen wütende Demonstranten mit Schweinsmasken knüppelschwingenden Ordnungshütern gegenüber, die als Mensch so ganz hinter ihrer Uniformierung zurücktreten. Wie konnte es dazu nur kommen? Wer will was und wer hat bloß recht? Den ganzen Überblick erhält man bei den großen Geschichtenerzählern und Katalysatoren: Den Medien.

Was mir neben der Verarbeitung sämtlicher gängiger Kulturtechniken zeitgenössischer Meinungsäußerung besonders gefällt, ist die Tatsache, dass es sich eben um ein Märchen handelt, welches der Auslöser für Interpretation, Rage und schließlich für die Straßenproteste ist.  Und das The Guardian, ob gewollt oder nicht, ironisch auf die eigene Rolle in diesem Mechanismus blickt und sich selbst eine Schlüsselfunktion in all dem Chaos zuweist. Abgesehen davon ist es auch noch ein verdammt gelungener Spot, der alle Kriterien erfüllt, um rasant viral zu werden.

Anti-ACTA Demonstration in Berlin

Anti-ACTA Demo Berlin 2012-02-11_4

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Heute war ich zusammen mit dem Dokumentarfilmer Rolf Wolkenstein und dem Poetry-Slammer Bas Böttcher auf der Anti-ACTA Demonstration in Berlin. Es wurde ein friedlicher, angenehmer und bunter Spaziergang bei eisiger Kälte durch die Stadt, was die Protestlaune der geschätzt 5.000 überwiegend jugendlichen Demonstranten/innen nicht zu mindern schien. Auch wenn die Acta-Ratifizierung zunächst verschoben wurde, waren die Protestbekundungen in ganz Deutschland am heutigen Tag enorm wichtig, um eine höhere Reichweite zu erzeugen. Ich schließe mich der Vermutung von @Grabstein an, dass die ACTA-Unterzeichnung wohl in die Zeit der kommenden EM verlegt werden wird, da ein solches Vorgehen der beliebten Taktik entspräche, unliebsame Gesetze durchzudrücken, wenn gerade niemand hinschaut (Aufmerksamkeitssteuerung).

Ein wunderbares Foto von der Demo in Köln gibt es auf Nerdcore zu besichtigen.

Update: Weitere sehenswerte Bilder gibt es bei Just und auf der Fanpage der Onlineaktivisten.