Das Wort zum Sonntag: Vatikan 2.0

Religiöse Gemeinschaften haben das Community-Wesen perfektioniert lange vor Erfindung des Internets. Die Glaubensbranche ist eine der größten der Welt, es gibt unzählige Anbieter und einen enormen Konkurrenzkampf. Einer der größten und einflussreichsten Provider der Welt ist der Katholizismus mit seinem Headquarter Vatikan. Dessen CEO geht regelmäßig auf Businessreisen und wird ähnlich frenetisch verehrt wie Steve Jobs. Und das bei einem Kerngeschäft ohne maßgebliche Entwicklung und immaterieller Produktpalette. Eine der entscheidenden Strategien zur Stärkung der Community ist die ungefragte Mitgliedschaft im Kleinkinderalter, noch lange vor der Ausreifung intellektueller Fähigkeiten, die eine Mitgliedschaft in Zweifel ziehen könnten.

Dennoch mangelt es dem Katholizismus an einer kohärenten Kommunikationsstrategie im Social Web. Budget wäre vorhanden ebenso wie eine Zielgruppe gigantischen Ausmaßes. Und trotzdem tut man sich in sakralen Kreisen schwer, wie ein kurzer Blick auf die gängigen Online-Angebote verrät.

Zunächst wäre da die Website des Headquarters. Ein Design aus der Steinzeit, sehr schlechte Usability und die fehlende Integration sämtlicher Social-Media-Kanäle zeichnet diese vorrangig aus. Die lateinischen Bezeichnungen einiger der primären Angebote dürften ebenfalls wenig hilfreich sein.

Weiterlesen

Crowdfunding auf PledgeMusic: Ein Idealfall verantwortungsbewusster Vermarktung

Soziale Netzwerke bringen den Anbieter direkt zum Kunden. Besonders in kulturellen Branchen, wie der Musikbranche, ist das ein großer Vorteil für die Künstler, da diese  durch den traditionellen Verkauf ihrer musikalischen Erzeugnisse auf Tonträgern ohnehin kaum etwas verdienen. Doch können digitale Kommunikationsstrukturen noch sehr viel mehr leisten, als den potentiellen Kunden plump auf das Angebot aufmerksam zu machen. Dieser kann auch selbst in die Produzentenrolle schlüpfen, in dem er Musikern finanzielle Unterstützung zusagt und Interesse am noch nicht vorhandenen, möglichen neuen Produkt bekundet. Das Prinzip nennt sich crowdfunding, d.h. die Finanzierung von verschiedenen Aktionen (in dem Fall ein Album) durch Fremdkapital. Der Kapitalgeber ist die crowd, sprich die anonyme Masse im Internet.

Und genau das macht Orkestra del Sol, in dem sie aufrufen, ihr neues Album zu unterstützen. Der Vorgang ist denkbar einfach: Auf der Plattform PledgeMusic stellen Musiker ihre neuen Projekte vor, die man bei Interesse einfach per Mausklick unterstützen kann. Die Plattformbetreiber nennen dies pledge [Engl. für Depotgeld]. Die Konditionen werden von den Künstlern selbst gestellt. Im vorliegenden Fall bedeutet das, wenn sich in einer festgesetzten Zeitspanne genug Unterstützer finden lassen, bekommen all diese das Album zu einem sehr fairen Preis entweder per Download oder per Post – exklusiv, als Vor-Veröffentlichung. Außerdem werden satte 20% des so zusammen getragenen Geldes an eine der führenden englischen Organisationen zur Bekämpfung von Krebs gespendet. Wenn sich nicht genug Unterstützer finden lassen, bezahlt man gar nichts, da das Projekt auch nicht zu Stande kommt.

Auf PledgeMusic können die Künstler alle Konditionen selbst bestimmen, besonders wieviel für wen oder was gespendet wird. Unterm Strich heißt das, mehr Entscheidungsfreiheit für Künstler und Konsument durch direkte Einflussnahme, bessere finanzielle Konditionen für beide Seiten (+exklusive Boni) und Wohltätigkeit ohne Mehraufwand. Ein hervorragendes System, was einmal mehr zeigt, wie intelligentes und verantwortungsbewusstes Marketing mit Hilfe von digitaler Kommunikation in sozialen Netzwerken im Idealfall funktionieren kann.

ps. Sehr symphatisches Video.