Studie: Internet-Tsunamis – Politische Massen im digitalen Zeitalter

Der Untersuchungsgegenstand der Studie Internet-Tsunamis – Politische Massen im digitalen Zeitalter sind Phänomene der Massenkommunikation im Internet, die sich auf Mediensysteme ausweiten und durch Wechselwirkungen Masseneffekte im Virtuellen wie im Realen hervorrufen können. Die hier betrachteten Phänomene ziehen in erster Linie die Bildung von Protestmassen nach sich und haben weiterführend realpolitische Auswirkungen, die sogar global relevant werden können. Es galt die Mechanismen der Massenmobilisierung über das Internet zu evaluieren und deren Auswirkungen auf die Politik und den Politikprozess zu bewerten.

Um sich dem Phänomen möglichst mulitperspektivisch zu nähern, haben wir insgesamt 47 Interviews mit Vertretern aus den Bereichen Aktivismus, Medien, NGO’s, Politik, parteinahe Stiftungen, Wirtschaft und Wissenschaft geführt. Außerdem wurden regionale, nationale, europa- und weltweite Phänomene im Zeitraum Ende 2010 bis Mitte 2012 betrachtet und vier Fallstudien (Ägypten, Plagiatsaffäre Guttenberg, Occupy Wallstreet und ACTA) angefertigt. Auf Basis der Exploration wurde die wichtigsten Aufmerksamkeitsfelder identifiziert und anschließend interdisziplinär analysiert. Die Studie ist ein Forschungsprojekt zwischen der Europa-Universität Viadrina und xaidialoge, in dem Perspektiven aus Kulturwissenschaft, Soziologie, Politikwissenschaft und IT miteinander verschränkt wurden.

Unser Ziel war es, das Forschungsfeld Internet, Politik und Gesellschaft für den weiteren Diskurs zu öffnen. Wir erheben keinen Anspruch auf abschließende Antworten. Im Gegenteil soll die Studie Diskussionen anregen und neue Perspektiven auf die sich stetig wandelnde (politische) Kultur im Internet eröffnen.

Die Studie ist als Website und PDF-Download verfügbar.

Kommunale Politik im Kontext von digitalen Meinungsimpulswellen

Entscheidungen des letzten Jahrhunderts, die bis heute unsere Mediennutzung reguliert haben, befinden sich mittlerweile an einem Scheideweg. Zurückzuführen ist dies auf den technologischen Fortschritt und einen der wirksamsten Verstärker und Katalysatoren, den die Menschheit jemals erlebt hat – das Internet. In der Vergangenheit bestimmten staatliche Zwänge und Gesetze den Zuschnitt der Medienlandschaft und definierten den Informationspool der Bürger.

Heute bildet das Internet mit seinen interaktiven Potenzialen der sozialen Netzwerke, im Verbund mit E-Mails, Chats, Videokonferenzen, Blogs oder Foren, einen neuen Raum. Der Bürger bezieht hier Informationen aus individuellen und kollektiven Meinungsdarstellungen, die er dort ableitet, neu in­terpretiert und blitzschnell weiterverbreiten kann.

Diese Mechanismen revolutionieren nicht nur die tradierte Deutungshoheit des Rundfunkzeitalters und dessen kontrollierte Informationsverteilung, sondern auch die gesteuerten Rezeptionsmuster und deren vorgegebenen Interpretationsrahmen. Die grundlegend neuen technologischen Potenziale, mit denen Gedanken zu Texten werden, Texte zu Programmen transformieren und Programme durch die andauernde Nutzung zu anderen Denkstrukturen führen, werfen für viele Menschen noch mehr Fragen auf.

Mit seiner technischen Einzigartigkeit, Medium und Infrastruktur in einem zu sein, verbindet das Internet Menschen weltweit. Massenkommunikationsprozesse demokratisieren sich, da die Kosten für Produktions- und Publikationsmittel dramatisch gesunken sind. So hat das Internet grundlegen­de gesellschaftliche und politische Veränderungsprozesse angestoßen. Gesprä­che, Ideen und Beziehungen über Staatsgrenzen und Kulturräume öffent­lich auszutauschen, ist nun millionenfach möglich, während es zuvor nur eini­gen wenigen vorbehalten war. Das verändert das Handeln, global wie lo­kal, und damit auch die Vorstellung der Welt!

Schnell werden die heutigen Protagonisten dieser neuen Kommunikationsformen entweder belächelt und verniedlicht oder zum Hype stilisiert. Doch jenseits dieser vorschnellen Wertungen kann täglich beobachtet werden, wie sich BürgerInnen im Internet zu Kollektiven zusammenschließen und Demokratisierungsprozesse in fast allen gesellschaftlichen Bereichen anstoßen. Bestehende Machstrukturen werden offen diskutiert, kritisiert und grundsätzlich in Frage gestellt. Die Forderung nach Transparenz, Partizipation und Reformierung festgesetzter Ordnungsmuster wird zunehmend lauter.

Der Text ist ein Auszug aus dem Buch Wellenreiter, Kommunale Politik im Kontext von digitalen Meinungsimpulswellen, an dem ich als Koautor mitgearbeitet habe. Thema sind die Auswirkungen digitaler Kommunikation in sozialen Netzwerken auf die Lokalpolitik und die neuen Herausforderungen sowie Möglichkeiten, mit denen sich Politiker und Verwaltungen auf lokaler Ebene zunehmend beschäftigen müssen.

Das Buch ist als Hardcover im vwh-Verlag, als kostenloses PDF oder als Website zugänglich.

Informationsbroschüre: ACTA – Der Big Bang der Netzpolitik

iRights.info hat finanziert von Wikimedia Deutschland die Broschüre ACTA – Der Big Bang der Netzpolitik veröffentlicht. Dort wird die Kritik an ACTA nochmal ausführlich erklärt und um einen Zeitstrahl ergänzt, der die Intransparenz des Abkommens anschaulich beschreibt.

via Netzpolitik.org

Anti-ACTA Demonstration in Berlin

Anti-ACTA Demo Berlin 2012-02-11_4

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Heute war ich zusammen mit dem Dokumentarfilmer Rolf Wolkenstein und dem Poetry-Slammer Bas Böttcher auf der Anti-ACTA Demonstration in Berlin. Es wurde ein friedlicher, angenehmer und bunter Spaziergang bei eisiger Kälte durch die Stadt, was die Protestlaune der geschätzt 5.000 überwiegend jugendlichen Demonstranten/innen nicht zu mindern schien. Auch wenn die Acta-Ratifizierung zunächst verschoben wurde, waren die Protestbekundungen in ganz Deutschland am heutigen Tag enorm wichtig, um eine höhere Reichweite zu erzeugen. Ich schließe mich der Vermutung von @Grabstein an, dass die ACTA-Unterzeichnung wohl in die Zeit der kommenden EM verlegt werden wird, da ein solches Vorgehen der beliebten Taktik entspräche, unliebsame Gesetze durchzudrücken, wenn gerade niemand hinschaut (Aufmerksamkeitssteuerung).

Ein wunderbares Foto von der Demo in Köln gibt es auf Nerdcore zu besichtigen.

Update: Weitere sehenswerte Bilder gibt es bei Just und auf der Fanpage der Onlineaktivisten.