Rauchen aufhören: Social Media hilft

Ich gehöre momentan zu dem gequälten Kreis von Menschen, die mit dem Rauchen endgültig Schluss machen wollen. Bis jetzt läuft es so mäßig. Ich habe im Laufe der letzten Wochen gefühlte tausend Seiten mit Hilfestellungen, Tipps und guten Ratschlägen gelesen, nur um das Gelesene sogleich erfolgreich wieder zu verdrängen. Was mir allerdings tatsächlich geholfen hat, war eine Statusmeldung auf Facebook, die mein Vorhaben ankündigte, woraufhin nicht nur Worte des Verständnis, Glückwünsche und Durchhalteparolen zurück kamen, sondern auch dieser phantastische Hinweis auf Frank Höhnes Buch: willße mippm rauchen aufhörn.

Seines Zeichens Illustrator hat er seinen persönlichen Kampf, Qualen und Leiden, Hoffnungen und Rückschläge in einem Buch festgehalten, in welchem die Energien und Emotionen dieser Zeit in Form der Eigentherapie sublimierten.

Aus Leid wird Kunst. Und ganz im Sinne des Sharing is Caring hat er sein Werk digital aufbereitet und fast ein Drittel als PDF für alle Mitstreiter zur Verfügung gestellt. Auch ohne den konkreten Leidensdruck absolut zu empfehlen. Persönlich sage ich Danke für die beste Hilfestellung, die ich bis jetzt bekommen habe.

Social Networks im Pizzaladen und der Kneipe

Originalgröße

Die Zeiten ändern sich. Am Wochenende haben wir auf dem Weg durch den Kiez einen Espresso getrunken. Der kleine italienische Pizzaladen, den wir dazu aufsuchten, wurde von einem noch kleineren, unablässig redenden Italiener geführt, der großen Gefallen daran fand, jedes auch noch so unwichtig erscheinende Detail einer herkömmlichen Bestellung mit frecher Kommentierung zu adeln. Der Mann ging mit schnellen Schritten auf die Fünfzig zu. Während er die Bestellung über die Theke reichte, fragte er meine beiden Begleiter, woher sie denn kommen. Köln, antworteten diese. Daraufhin wurde er freudig erregt und machte uns auf seine Facebook-Fanpage aufmerksam. Er kenne jede einzelne der Personen, die dort seine Freunde seien, persönlich – sind und waren schließlich alle seine Gäste. Das ist nicht nur so daher gesagt. Wir müssten unbedingt auch seine Freunde werden. Gesagt, getan.
Zwei Tage später tranken wir ein Feierabendbier in einer recht alten, ranzigen Kneipe. Dort gesellte sich ein Mann Mitte Siebzig mit langem, schlohweißem Haar und Vollbart zu uns und berichtete, dass seine Website von israelischen Hackern angegriffen wurde, weil er, so zumindest seine Vermutung, Kartenmaterial zur Verfügung gestellt habe, das der Regierung Israels ein Dorn im Auge war. Ob wir denn bei Facebook wären?
Obwohl ich diese Entwicklung vor ca. zwei Jahren anhand diverser Statistiken prognostizierte, macht sie mich in ihrer Alltagsausprägung doch immer wieder stutzig. Eigentlich warte ich nur noch darauf, dass die Punks vor der Sparkasse mir bald keinen Kaffeebecher mehr vor die Nase halten, sondern mir ihr PayPal-Konto tweeten. Die Zeiten ändern sich.

140 Sekunden – Tweets und ihre Geschichte

Gerade wurde der Deutsche Webvideopreis verliehen. Eines der Gewinnerprojekte ist 140 Sekunden, ein Blog, auf dem die Geschichten berühmt gewordener Tweets im Videoformat mit einer max. Länge von 2 Min. 20 Sek. erzählt werden.

Täglich werden rund um die Welt 50 Millionen Tweets ausgesendet. Einige unter ihnen machen Schlagzeilen, viele verbreiten Poesie, sie stiften Verwirrung im Parlament oder erzählen große Dramen. Genau diese Tweets suchen wir.

Folge 1 beschäftigt sich mit den Plagiatsvorwürfen gegen die Autorin Helene Hegemann erhoben vom Blogger Deef Pirmasens. Die Geschichte wiederholt sich.

Social Networks in der U-Bahn

Die Zeiten ändern sich. In der U-Bahn, auf dem Weg in die Detektei, saßen links von mir zwei junge Mädchen – blond, schick (jedoch nicht wohlhabend) zurecht gemacht, geschätzt zwischen 12 – 14 Jahre alt, osteuropäischer Akzent – und unterhielten sich über Facebook. Sie lachten sich über ihre Eltern tot, die nichtmals verstünden, wie sie eine Freundschaftsanfrage annehmen sollen. Hinter mir zwei junge Männer, beide über 30, der eine vermutlich Agenturler, der andere eher Promovent, diskutierten ihr Unwohlsein ob des mangelnden Privatschutzes auf Facebook, dass Freunde ihren Account gelöscht hätten, dies aber nicht weiter schlimm sei, da man selbigen ja jederzeit reaktivieren könne. Die große Hoffnung allerdings wäre Diaspora.

Ich schmunzelte und schaute zum Deckenmonitor auf: Ein Bild von Lance Armstrong. Der Text rechts daneben: “Lance Armstrong ist zum fünften Mal Vater geworden. Der 39-Jährige gab die Geburt seiner Tochter Olivia Marie, genannt Cinco, am Montag per Twitter bekannt.” Die Zeiten ändern sich.