Lifeinvader: Social Media Satire in GTA 5

“We have put a billion people’s private data in the public domain, and we have milked every penny we could in the process” (Jay Norris)

Was immer man auch von der GTA-Reihe halten mag, mit Grand Theft Auto V hat Rockstar Games ein Meisterwerk im Bereich Storytelling abgeliefert. Wie schon in Red Dead Redemption wimmelt das Spiel von gesellschaftskritischen Seitenhieben. In GTA V haben es die Macher besonders auf die Medienlandschaft abgesehen.

LifeinvaderOffice-GTAV

Lifeinvader Firmensitz in GTA 5 / via

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Werbespot von The Guardian: Die Schweine sind die Schweine – oder?

The Guardian hat das Märchen von den drei kleinen Schweinchen in die heutige Zeit und aus der Fantasiewelt in die reale transportiert. Hierbei wird so ziemlich alles referenziert, was wir im Zuge der weltweiten Proteste des letzten Jahres kennen gelernt haben. In diesem Video sind die Schweinchen allerdings die Schuldigen, die den Wolf bei lebendigem Leibe gekocht haben. Kurz nach der Verhaftung und der ersten medialen Durchdringung ist man sich der Schuld der Schweinchen zunächst nicht sicher. Dem Wolf werden Gedenkstätten eingerichtet, andere solidarisieren sich mit den Schweinchen. Es kommen neue Fakten auf, der Wolf soll Asthma gehabt haben. Hektisch werden Online-Simulationen erstellt und Experten zu Rate gezogen. Die Schweinchen werden verurteilt, das Motiv für die Ermordung des Wolfes war finanzieller Natur, sie konnten ihre Miete nicht mehr bezahlen. Neue Schuldige sind schnell gefunden: Die Banken. Die Deutungshoheit verschiebt sich und plötzlich wird aus der Debatte um einen Mord eine internationale Debatte um finanzielle Ungerechtigkeit. Die Menschen üben sich in Identifikation, jetzt sind alle die Schweinchen. Und am Ende stehen wütende Demonstranten mit Schweinsmasken knüppelschwingenden Ordnungshütern gegenüber, die als Mensch so ganz hinter ihrer Uniformierung zurücktreten. Wie konnte es dazu nur kommen? Wer will was und wer hat bloß recht? Den ganzen Überblick erhält man bei den großen Geschichtenerzählern und Katalysatoren: Den Medien.

Was mir neben der Verarbeitung sämtlicher gängiger Kulturtechniken zeitgenössischer Meinungsäußerung besonders gefällt, ist die Tatsache, dass es sich eben um ein Märchen handelt, welches der Auslöser für Interpretation, Rage und schließlich für die Straßenproteste ist.  Und das The Guardian, ob gewollt oder nicht, ironisch auf die eigene Rolle in diesem Mechanismus blickt und sich selbst eine Schlüsselfunktion in all dem Chaos zuweist. Abgesehen davon ist es auch noch ein verdammt gelungener Spot, der alle Kriterien erfüllt, um rasant viral zu werden.

Rettet uns vor den Datenschützern!

Es folgt ein Absatz aus Michael Seemanns Beitrag The Rise of Spackeria, in dem es hinsichtlich des politischen Web-Wahns dieser Tage  treffender nicht auf den Punkt gebracht werden kann.

Der niedersächsische Datenschützer will Werbung auf Webseiten aus Datenschutzgründen verunmöglichen, aus der EU droht eine Richtline die das verwenden von Cookies so gut wie unbrauchbar machen könnte, das “digitale Radiergummi” und der Wunsch nach Vergessen des Internets bedroht die Informationsfreiheit und die Hysterie um Apple, Google und Facebook die “unsere Daten klauen wollen“, greift irrational in dem Medien um sich. Wie ich bereits feststellte, droht der Datenschutz sich gerade vollends lächerlich zu machen und bedroht ohne Frage so langsam das Internet und vor allem sich selbst. Dabei brauchen wir ihn immer noch dringend bei Fragen zur Vorratsdatenspeicherung und dem Schutz des Individuums vor staatlicher Repression.

Das Wort zum Sonntag: Vatikan 2.0

Religiöse Gemeinschaften haben das Community-Wesen perfektioniert lange vor Erfindung des Internets. Die Glaubensbranche ist eine der größten der Welt, es gibt unzählige Anbieter und einen enormen Konkurrenzkampf. Einer der größten und einflussreichsten Provider der Welt ist der Katholizismus mit seinem Headquarter Vatikan. Dessen CEO geht regelmäßig auf Businessreisen und wird ähnlich frenetisch verehrt wie Steve Jobs. Und das bei einem Kerngeschäft ohne maßgebliche Entwicklung und immaterieller Produktpalette. Eine der entscheidenden Strategien zur Stärkung der Community ist die ungefragte Mitgliedschaft im Kleinkinderalter, noch lange vor der Ausreifung intellektueller Fähigkeiten, die eine Mitgliedschaft in Zweifel ziehen könnten.

Dennoch mangelt es dem Katholizismus an einer kohärenten Kommunikationsstrategie im Social Web. Budget wäre vorhanden ebenso wie eine Zielgruppe gigantischen Ausmaßes. Und trotzdem tut man sich in sakralen Kreisen schwer, wie ein kurzer Blick auf die gängigen Online-Angebote verrät.

Zunächst wäre da die Website des Headquarters. Ein Design aus der Steinzeit, sehr schlechte Usability und die fehlende Integration sämtlicher Social-Media-Kanäle zeichnet diese vorrangig aus. Die lateinischen Bezeichnungen einiger der primären Angebote dürften ebenfalls wenig hilfreich sein.

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