Schließe den Kommentar – Kampagne auf YouTube für Save The Children

Klickfaulheit gilt nicht! Die Kampagne von Shachar Aylon für Save the Children führt uns als User per Selbsttest eindrücklich vor Augen, dass wir zwar auf jeden Blödsinn klicken, sobald unser Spieltrieb angesprochen wird, wir aber aber faul werden, wenn es um ernsthafte Unterstützung in Form einer Online-Petition geht. In beiden Fällen bedarf es nur des Zuckens mit dem Zeigefinger – Case closed, your honor! (via)

Werbespot für japanisches Mobiltelefon Touch Wood SH-08C

Es gibt sie, die richtig guten Werbespots ganz ohne CGI. Für das japanische Mobiltelefon Touch Wood SH-08C hat Regisseur Morihiro Harano ein überdimensionales Holz-Xylophon quer durch einen Wald bauen lassen. Eine darüber hinweg rollende Holzkugel erzeugt eine wunderbare, langsam tröpfelnde Melodie, die sich nahtlos in die Geräuschkulisse des Waldes einfügt und sinnbildlich wie tonal dem ökologischen Anspruch des Produkts Rechnung trägt.

Gefunden auf Lilly Green.

The Black Mamba: Nike Werbefilm mit Kobe Bryant von Robert Rodriguez

Black Mamba ist ein Exploitationfilm aus dem Jahr 1974 von Georg Rowe. Ich habe den Film selbst nicht gesehen, aber seine Genreverortung fällt bei folgender Rezension nicht weiter schwer:

Black Mamba suffers the double whammy of being less serpent-centric and less booby-centric, making for the dullest movie I’ve seen featuring zombies, voodoo dolls, a hunchback, Satan, “Manimal”-like transmutations, bestiality, an exorcism, and Death itself. The film opens with a hunchback doing what hunchbacks do best: robbing graves. He messes with the wrong tomb, though, when he takes a ring from the corpse of Dante, a man who happens to have once romanced a witch. (via)

Der neue, gleich betitelte Werbefilm für Nike, der als Viral angelegt ist, verarbeitet ästhetisch und erzählerisch eine ganze Palette an Referenzen auf alte Trash und Actionfilme. Es wird auf Genreikonen wie Bruce Willis oder Danny Trejo zurückgegriffen, Robert Rodriguez, selbst Meister des Neo-Trashs und bekennender Liebhaber des Exploitationkinos, führte bei dem Werbefilm nicht nur Regie, sondern spielt auch gleich noch eine der Hauptrollen. Mit ihm wird das Ganze dann noch um eine zusätzliche Ebene erweitert. Unweigerlich kommt die Erinnerung an dessen Spielfilme hoch, besonders an sein aktuelles Werk Machette, in dem wiederum Danny Trejo die Hauptrolle spielt. Gedanken an Quentin Tarentino drängen sich auf, der das Genre eigentlich neu erfand und spätestens mit Inglourious Basterds zeigte, was referentielles Schema und Postmoderne im Film bedeuten können. Außerdem ist er ein langjähriger Freund und Kollaborateur von Rodriguez.

Das alles darf als ein sehr schlaues, kommerzielles Kalkül gewertet werden. Man entspricht den Sehgewohnheiten der in diesem Fall überwiegend jungen Zielgruppe in dem man die herrschende Genreästhetik kopiert, schickt noch ein paar ihrer berühmtesten Vertreter ins Rennen, schafft jede Menge Anschlussstellen und Referenzen auf den Kult, bettet den Film in den weiteren Sagenkreis zeitgenössischer Produktionen ein und erfindet eine eben so plumpe wie absurde Story, wie sie nur in genanntem Genre Bestand haben kann. Zusätzlich macht man sich in allem Ernst über die eigene Produktion lustig, denn im Werbefilm selbst geht es ja um einen Film, der noch gedreht werden soll und die übermütige und infantile Trashwelt, die Rodriguez und seine dafür vorgesehene Hauptrolle Kobe Bryant zusammen erspinnen. Letzterer ist dann noch das perfekte Testimonial für die zu bewerbende Marke. Die Produkteinbindung in die Story wird hier übrigens verkehrt: Es handelt sich um einen Werbefilm für Nike, der so tut, als würde zukünftig ein Film gedreht werden, in dem Nike-Produkte lediglich für das Product Placement genutzt werden, um das Budget für den noch zu drehenden Film zu erhöhen:

“Product placement gives us a bigger budget. Bigger budget, bigger Explosions!”

Mir persönlich gefällt der Film deswegen so gut, weil er gleichzeitig mutig und zielgruppengerecht ist und eindrucksvoll zeigt, was man in einem sechsminütigen Clip (eine nicht gerade auf Netzkonsum optimierte Länge) für eine Dichte an werbewirksamen Implikationen und Anschlussstellen verarbeiten kann, ohne dass es gezwungen oder konstruiert wirkt, da sich das absurde Konstrukt ironisch vor sich selbst offenbart. Außerdem ist die Erzählweise als Film im Film schön umgesetzt, doppelbödig und doch denkbar einfach. Es lebe der Trash!

Für alle, die das Video aufgrund nationaler Einschränkungen gerade nicht sehen können, einmal hier hin wechseln.

Das Wort zum Sonntag: 10 Regeln für eine gute Geschichte

Billy Wilder hat in Bezug auf Film gesagt:

Ich habe 10 Gebote. Die ersten neun lauten: du sollst nicht langeweilen.

Einem großen Teil der Kampagnen, die Social-Media-Bausteine miteinbeziehen oder nur auf deren Grundlage umgesetzt werden, mangelt es an Inspiration, Innovation und Unterhaltungswert. Gerade letzterer ist aber von fundamentaler Wichtigkeit, wenn es um die Gunst der User geht. Warum sollte ich eine Kampagne beachten, wenn sie mich langweilt und mir nichts weiter als ein stupides Klicken von a) nach b)  abverlangt, mit dem Ziel, letzlich doch nur meine Daten zu sammeln.

Ich möchte Teil der Geschichte sein, partizipieren, der Mischung aus Exhibitionismus und Voyeurismus Rechnung tragen, die das momentane Social Web hat bedeutend werden lassen, als üppige Jagdgründe von Marken und Dienstleistern, Experten, Evangelisten und Hohepriestern, die die Identifikation durch Produkte, den Halt der virtuellen Gemeinschaften und den Segen der steigenden Zahl predigen.

Um all dies zu erreichen, braucht es eine gute Geschichte. Doch nicht nur ihr Inhalt muss reizvoll sein, auch ihre Struktur, ihr Aufbau, sprich ihre Dramaturgie ist gerade in der unternehmensbezogenen Kommunikation von zentraler Wichtigkeit. Und da, wie es mir scheint, dies allzu oft vergessen, das Schma F sog. viraler Kampagnen durch sämtliche Meetings geprügelt wird und meist zu einer nicht mehr zu hinterfragenden Schablone verkommt, möchte ich in meinem Sonntagskommanter die 10 Regeln Billy Wilders zitieren – als eine andere Art der Schablone, die über ein Kampagnenkonzept gelegt werden kann.

  • Das Publikum ist launisch.
  • Pack es an der Kehle und laß es nie wieder los.
  • Entwickle eine klare Handlungslinie für deine Hauptfigur.
  • Sei dir im Klaren darüber, wohin du gehst.
  • Je subtiler und eleganter du die Wendepunkte der Story versteckst, desto besser bist du als Autor.
  • Falls du ein Problem mit dem dritten Akt hast, liegt das wirkliche Problem im ersten Akt.
  • Ein Tip von Lubitsch: Laß die Zuschauer zwei und zwei zusammenzählen. Sie werden dich ewig lieben.
  • Achte bei Erzählerstimmen darauf, nichts zu beschreiben, was das Publikum bereits sieht. Füge dem, was sie sehen, etwas hinzu.
  • Das, was passiert, wenn der Vorhang des zweiten Akts fällt, leitet das Ende des Films ein.
  • Der dritte Akt muss schneller, schneller, schneller werden und Action bis zum Schluss bieten, und dann – war´s das. Häng nichts mehr dran. (via)