WE, THE ENEMY – burning clouds: Konferenz EMAF 2014

Für das diesjährige European Media Art Festival (EMAF) habe ich zusammen mit Alfred Rotert, Salvatore Vanasco und Jan Lachenmayer die Konferenz BURNING CLOUDS konzipiert. Durch Vorträge u. a. von Annie Machon, Dr. Stephan Humer, Prof. Dr. Joachim Scharloth und Michael Seemann hoffen wir dem Diskurs zur Überwachung neue Anstöße geben zu können.

Die Aufdeckung des Schattenreichs der Überwachung hat die westliche Welt erschüttert und für ein kollektives wie individuelles Trauma gesorgt. Die digitale Revolution wurde vollzogen und im Nachklang haben auch ihre Hohepriester einsehen müssen, dass die neuen Herrschaftszentren den alten verblüffend ähnlich sind. Es scheint der Konsens zu gelten, dass Überwachung einem Verbrechen gegen die Bürgerinnen und Bürger gleichkommt, dass sie ohne unser Wissen (aber mit unseren Steuergeldern) etabliert wurde, und dass es sich hierbei um eines der größten Bedrohungsszenarien für die westlichen Demokratien handelt – diesmal von innen heraus.

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Doch trotz des medial zelebrierten Wissens um das allgegenwärtige Daten-Panopticon, trotz der Furcht vor dem Schulterschluss zwischen den Googleplexen, Staaten und Geheimdiensten, trotz aller verkündeten Dystopien, treten wir freiwillig, tagtäglich, beinahe sekündlich in das düstere Reich der Überwachung ein. Willfährig arbeiten wir am Konstrukt unserer eigenen Ängste mit, füttern als user in communities die cloud mit content, den wir mit unseren friends und followers sharen, um likes zu ernten und zu influencer zu werden. Warum machen wir uns freiwillig zu Datensendern in Dauerschleife, wenn das Klagelied vom Überwachungsstaat mittlerweile allen zu Ohren gekommen ist? Am Ende gar, weil wir die Überwachung insgeheim befürworten?

Gleichzeitig wurde die uralte Gut-Böse-Dichotomie neu erfunden, formatiert und cross-medial inszeniert. Persönlichkeiten wie Edward Snowden, Julien Assange, Bradley Manning oder Glenn Greenwald betraten die Bühne, sind zu Publikumslieblingen im Kampf gegen die dunklen Machenschaften der Überwacher geworden. Auf allen Kanälen konnte man die Entstehung neuer Mythen, neuer Helden, neuer Feindbilder und neuer politischer Metaphern mitverfolgen. Im Fahrwasser der heutigen, allseits gepredigten sozialen Partizipationslogiken hatte die crowd auch sogleich Anteil an der Ausgestaltung des sich nahezu in Echtzeit medial konstruierenden Spektakels um die neue Weltordnung im Internet.

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Illustration by Laura Zidda

Die diesjährige Konferenz bietet die Möglichkeit, psychologische und inszenatorische Mechanismen der Überwachung auszuloten, Perspektiven für eine traumatisierte Gesellschaft zu entwerfen und zu verdeutlichen, wie die Sprache der Überwachung in Wort, Bild und Technologie funktioniert. Die Reaktion der Medienkunst und die sich aus der künstlerischen Auseinandersetzung entwickelnden Positionen sind elementarer Bestandteil für die Suche nach Handlungsoptionen. Welche politischen Forderungen lassen sich heute schon formulieren, um einer total vernetzten Zukunft zu begegnen, in der wir selbst zwangsläufig zu unseren ärgsten Feinden werden?

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