Social Networks im Pizzaladen und der Kneipe

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Die Zeiten ändern sich. Am Wochenende haben wir auf dem Weg durch den Kiez einen Espresso getrunken. Der kleine italienische Pizzaladen, den wir dazu aufsuchten, wurde von einem noch kleineren, unablässig redenden Italiener geführt, der großen Gefallen daran fand, jedes auch noch so unwichtig erscheinende Detail einer herkömmlichen Bestellung mit frecher Kommentierung zu adeln. Der Mann ging mit schnellen Schritten auf die Fünfzig zu. Während er die Bestellung über die Theke reichte, fragte er meine beiden Begleiter, woher sie denn kommen. Köln, antworteten diese. Daraufhin wurde er freudig erregt und machte uns auf seine Facebook-Fanpage aufmerksam. Er kenne jede einzelne der Personen, die dort seine Freunde seien, persönlich – sind und waren schließlich alle seine Gäste. Das ist nicht nur so daher gesagt. Wir müssten unbedingt auch seine Freunde werden. Gesagt, getan.
Zwei Tage später tranken wir ein Feierabendbier in einer recht alten, ranzigen Kneipe. Dort gesellte sich ein Mann Mitte Siebzig mit langem, schlohweißem Haar und Vollbart zu uns und berichtete, dass seine Website von israelischen Hackern angegriffen wurde, weil er, so zumindest seine Vermutung, Kartenmaterial zur Verfügung gestellt habe, das der Regierung Israels ein Dorn im Auge war. Ob wir denn bei Facebook wären?
Obwohl ich diese Entwicklung vor ca. zwei Jahren anhand diverser Statistiken prognostizierte, macht sie mich in ihrer Alltagsausprägung doch immer wieder stutzig. Eigentlich warte ich nur noch darauf, dass die Punks vor der Sparkasse mir bald keinen Kaffeebecher mehr vor die Nase halten, sondern mir ihr PayPal-Konto tweeten. Die Zeiten ändern sich.

4 Gedanken zu “Social Networks im Pizzaladen und der Kneipe

  1. “Eigentlich warte ich nur noch darauf, dass die Punks vor der Sparkasse mir bald keinen Kaffeebecher mehr vor die Nase halten, sondern mir ihr PayPal-Konto tweeten. ”

    Ich glaube, der Trend geht zum Flattr-Button auf der Lederjacke.

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